Herr Autofahrer bitte zur Kasse!
Wenn es in Deutschland um das Thema Auto geht, sind “wir” ja empfindlich. Und was “wir” in den letzten Jahren über uns ergehen lassen mussten… und trotzdem liebt “der Deutsche” sein Auto - Scheiß auf die Benzinpreise. Gibt’s halt nur noch einmal im Monat Spargel.
Also geht es 2009 weiter im Bußgeldkatalog, dessen Preise teilweise verdoppelt werden sollen. Das Wort Abzocke macht sich breit.
Zunächst muss natürlich erwähnt werden, dass viele Strafen, wie zu schnelles Fahren oder Fahren unter Drogeneinfluß, zum Schutz von Menschen eingerichtet sind - nicht zuletzt auch für das eigene Leben. Strafen für Falsch-Parken sind dagegen oft Geldmacherei und sind in der Innenstadt teilweise echt fies. Aber wir sind eben in Deutschland, da kann man nicht einfach parken, wo man gerade will.
Aber zurück zum Thema. Ich bin leidenschaftliche Spielerin von Wirtschafts/Aufbau-Simulationsspielen, z.B. SimCity, Mobility u.ä. Und was mache ich, wenn meine Stadtkasse Geld braucht? Ich bitte erstmal die Bürger zur Kasse. In Mobility beispielsweise müssen die Autofahrer bei mir am meisten leiden. Während ich Einkommenssteuer und Kosten für Öffentliche Verkehrsmittel senke, erhöhe ich die Autoversicherung, Mineralölsteuer und Strafzettel auf das Maximum. Auch die Parkhäuser bitten die Liebhaber der vier Räder ordentlich zur Kasse. Im Gegenzug wird der öffentliche Verkehr jedoch ordentlich ausgebaut: Geringe Taktungszeiten von Bus & Bahn, freundlicher Service (120%), großzügige Flächenabdeckung sowie ausreichend Park&Ride-Möglichkeiten - alles natürlich mit E-Bussen, die nicht einmal die Luft verpesten.
Wenn es getrennte Steuermodelle für Privat und Gewerbe gibt, dann bitte ich trotzdem zuerst die Bürger zur Kasse - schließlich sollen die Unternehmen ja in meine Stadt kommen und Arbeitsplätze schaffen. Dennoch strebe ich natürlich hier ein faires Gleichgewicht an, zumindest, wenn die übrigen Faktoren ausgewogen sind.
Wie kann ich also diesen Schritt mit den höheren Strafen und Steuern in der Realität verurteilen? Weil wir hier kein ausreichend attraktives öffentliches Verkehrsnetz haben? Weil ich selbst wenn ich mit dem Auto unterwegs bin nachts in Duisburg mein Türknöpfchen runtermache? Weil ich das Gefühl habe, dass das vorhandene Geld in der Stadtkasse nicht richtig genutzt wird? Weil ich der Meinung bin, dass allzu freie Marktwirtschaft nicht gut für alle ist?
Man weiß es nicht… ich geh’ mal siedeln, da gibt’s Freibier für alle.
Henrik sagt,
5. Mai 2008 @ 23:04 Uhr
ich hab da heute noch mit einem Bekannten drüber gesprochen, ich bin für die relative Bestrafung bei Verkehrsdelikten anhand des Einkommens, d.h. das für Otto-Normal-Verbraucher die Strafen mehr o. weniger bleiben wie Sie sind und die Mehrverdiener angemessen zur Kasse gebeten werden (was sicherlich auch dem Staatshaushalt gut tut). Das ganze funktioniert in anderen Ländern schon prächtig, warum nicht auch hier?
Henning sagt,
6. Mai 2008 @ 00:45 Uhr
Warum soll ich kostenlos parken können, wenn ich nicht kostenlos Bus fahren kann? Insbesondere wo letzteres ja dem Gemeinwohl (in diesem Fall Umweltschutz: saubere Luft/Klimaschutz) zuträglicher ist.
So gesehen ist jeder kostenlose Parkplatz doch eigentlich einer zuviel, oder?
Tina sagt,
6. Mai 2008 @ 17:19 Uhr
Daher müssen meine Mobility-Einwohner ja auch kräftig für’s Autofahren in die Tasche greifen, während eben der Verzicht auf’s Auto “Gewinn” bedeutet, da Bus & Bahn fahren fast kostenlos ist und eben auch kostenlose Park&Ride Möglichkeiten angeboten werden. Zudem subventioniere ich noch jeden Verzicht auf ein Auto mit 1000 €/Jahr ;).
Wenn das so im echten Leben wäre, wäre es auch ein Leichtes, auf das Auto zu verzichten. So aber (empirisch erforscht von mir) kommen die Bahnen ja wann sie wollen (oder gar nicht), an den U-Bahnhöfen lungern irgendwelche kuriosen Typen rum (wo ich mich nicht traue auszusteigen) und der damals von mir genutzte Park & Ride wurde dicht gemacht für so einen Bürokomplex. Sitzplätze sind zudem Mangelware und die Tickets werden auch immer teurer. Von daher finde ich es einfach schlecht umgesetzt, den Autofahrern zwar in die Tasche zu greifen, im Gegenzug aber keine ausreichenden Alternativen zu schaffen. Kann sein, dass das in anderen Städten vorbildlicher gelöst ist.
In Düsseldorf z.B. sind selbst Fahrradwege Mangelware - und auf den Straßen ist es bei der Auto-Fahrweise echt lebensgefährlich, sich da auf ein Zweirad zu trauen.
Henning sagt,
6. Mai 2008 @ 17:44 Uhr
Vielleicht musst du einfach nur in die Politik.
Gott sagt,
6. Mai 2008 @ 23:32 Uhr
Müsste der Mobility-Einwohner richtig tief in die Tasche greifen, wäre dieses Modell äußerst unsozial…
Dass würde bedeuten dass wer viel Geld hat, der kann auch Autofahren und bräuchte sich nicht in ein stickiges ÖPNV Fahrzeug setzten…
Politik ist der Spielraum den die Wirtschaft ihr lässt….
und solange dass so ist, wird sich da nichts ändern.
Angenommen es werden weniger Autos produziert und verkauft, so brechen zwangsweise eine Menge Arbeitsplätze weg, nicht nur der Automobilzweig an sich sondern auch die ganzen Zulieferer können dann ihre Läden dicht machen.
Ganz zu schweigen von den Mineralölkonzernen und den minder Steuereinnahmen…
Tina sagt,
7. Mai 2008 @ 08:46 Uhr
Stimmt! Die nächste Bundeskanzlerin hat Elfenohren *gg*