Das tapfere Tinalein

Gestern abend nahm es seinen Anfang. Beim Tanken griff ich noch schnell eine Rolle Mentos “Grüner Apfel”. Schon ewig nicht mehr gegessen das Zeug - und ich hätte es auch besser lassen sollen. Denn als ich heute morgen im Mega-die-Bahn-streikt-mal-wieder-Stau nach Düsseldorf im Auto saß, griff ich zu der besagten Rolle. Und ganz nach dem Motto “Aber jetzt zerbeiß ich’s” zerkaute ich das Mentos-Bonbon. Und dann knackte es. Und tat weh!

Mit Erschrecken traf mich die Erkenntnis, die sich bei einem Blick in den Spiegel bestätigte: Ein Stück vom Zahn/Füllung war abgebrochen! Der letzte Zahnarztbesuch liegt ungefähr so lange zurück wie der letzte Weltkrieg. Zumindest gefühlt. Und ja, ich hatte ja auch immer vor, mal wieder einen Termin zu machen. Aber wie das so ist, wenn man Angst vor’m Zahnarzt hat… immer fällt einem selbst ein Grund ein, warum man gerade jetzt eben keine Zeit dafür hat. Dabei habe ich so einen guten Zahnarzt! Spezialisiert auf Phobie-Patienten ist er, man muss nicht einmal direkt in den Behandlungsstuhl, sondern kommt erstmal in ein Sprechzimmer. Trotzdem. So versuchte ich mit einer Schmerztablette erstmal alles zu ignorieren. Panik stieg aber schon in mir auf, denn ich wusste: Ich kann das jetzt nicht weiter ewig vor mir herschieben. Ich bin so eine feige Sau. Ein Schiss0r. Ich benehme mich total peinlich.

Nachdem ich dann ungefähr die ganze Agentur verrückt gemacht hatte, rief schließlich Robert (mein Gruppenleiter) bei meinem Arzt an und machte einen Termin. Und der war… eine dreiviertelstunde später! OH MEIN GOTT! Ich musste sofort los. Mein Herz raste, meine Hände wurden schweißnass. Das Gefühl, auf der Stelle sterben zu müssen wollen, durchfuhr meinen gesamten Körper.

Und dann war ich da. Der typische Praxisgeruch stieg in meine Nase und ich überlegte schon, vielleicht doch wieder kehrt zu machen. Habe ich nicht Knoblauch zum Mittag gegessen? Das kann ich doch dem Arzt nicht antun… DOCH! DA MUSST DU JETZT DURCH! Ich rang mit dem inneren Schweinehund, aber ich siegte. Leider musste ich noch über eine Stunde im Wartezimmer warten. Währenddessen zeigte mir ein kleiner Junge seinen McDonalds-Tamagotchi-Verschnitt und wir bürsteten den Hund, fütterten und peppten ihn auf.

“Frau Meergans bitte in Zimmer 2″. Schluck. Eine Ärztin kam in den Raum. Die kannte ich noch nicht, aber sie war nett, beruhigte mich, hielt sogar meine Hand. Sie erklärte mir alles, schaute in meinen Mund. “Alles nicht so schlimm, kriegen wir hin.” Puh. Ich bekam eine Spritze, die auch nicht weh tat. Dann erklärte mir die Sprechstundenhilfe nochmal alle Geräte. Ich durfte alles anfassen und begutachten. Interessant auch das Ozon-Gerät, mit dem ich dann behandelt wurde. Und es tat alles nicht weh. Am Ende war ich so stolz auf mich selbst, darüber, dass ich nicht laut und hysterisch schreiend aus der Praxis geflohen war. Ich kam mir nicht einmal wirklich lächerlich mit meiner Angst vor, da die Mitarbeiter alle so freundlich, verständnis- und rücksichtsvoll waren. Ich habe nicht einmal die von mir so gehasste Watte in den Mund geschoben bekommen!

Nun sabber ich noch etwas beim Trinken und habe das Gefühl, meine Lippe sei auf das Dreifache angeschwollen. Aber die Welt ist toll und ich bin ein echter Held. Auch wenn vermutlich jedes Kleinkind sich beim Zahnarzt disziplinierter aufführt als ich.

8 Kommentare »

  1. Vio sagt,

    15. November 2007 @ 18:00 Uhr

    *freu*…gut, dass du das durchgezogen hast!

  2. Rebeca sagt,

    15. November 2007 @ 18:47 Uhr

    Die arme Tina!! Ich bin stolz auf dich!! LG!!

  3. Heiko sagt,

    15. November 2007 @ 19:21 Uhr

    Wow - Respekt. Hast Du gut gemacht.

  4. rob sagt,

    15. November 2007 @ 22:31 Uhr

    bist doch ne gaaaanz grosse ;)
    und hey sie ‘hat auch gar nicht gebohrt’!

  5. Prospero sagt,

    15. November 2007 @ 23:41 Uhr

    Na dann - Glückwunsch! (Wenn man wie ich allerdings eine Zystenbehandlung hinter sich hat, eine Reihe von Zähnen dadurch verliert und eigentlich mit einer Prothese durch die Welt läuft sofern sie nicht gerade mal eben zerbröckelt ist - Porzellan ist auch nicht mehr das was es mal war - dann ist ein Routinebesuch die reinste Freude. Glaubs mir. ;-))
    Ad Astra

  6. Ecki sagt,

    16. November 2007 @ 11:34 Uhr

    Super Tina! Das war ganz groß von Dir. Mit dem neu gewonnenen Stolz auf Deinen Mut, solltest Du direkt einen Termin für den Halbjahrescheck machen. Du weißt ja, dass ich Deine hier beschriebenen Phobien gut verstehen kann. Ich musste sogar kurz aufhören zu lesen und eine Runde um den Schreibtisch laufen, als Du die Watte erwähntest.

  7. Tina sagt,

    16. November 2007 @ 11:51 Uhr

    Ich hab sogar schon zwei neue Termine :). Und ich bin immer noch ganz euphorisch. Das beste ist wohl echt, dass jetzt einfach nicht wieder einreissen zu lassen, damit man sich nicht wieder so dermaßen in die Angst reinsteigert…

  8. Tim sagt,

    17. November 2007 @ 09:49 Uhr

    Glückwunsch - geschafft - Angst überwunden :) *stolz

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag · TrackBack URL

Schreibe einen Kommentar