Wenn ich im Lotto gewinne…
Immer wieder fällt dieser Satz “Wenn ich im Lotto gewinne…”. Ich rede jetzt natürlich nicht von einem trivalen Dreier oder so im Lotto, sondern den fetten Jackpot. Alle Probleme lösen sich mit diesem Tag in Luft auf, wenn das große Geld einmal da ist. Man braucht ja “nur” ungefähr eine Million Euro und schon sind - zumindest alle materiellen Sorgen - weg. Und natürlich würde man trotzdem noch auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Nichts würde sich ändern, man würde immer noch “im Aldi” einkaufen gehen und mit dem Nachbarn ein Bierchen saufen. Vielleicht doch ab und an mal Bali und man könnte ja auch mal Champagner probieren. Ach, und der Mercedes Cabrio… der müsste natürlich auch her.
Es ist so schön, davon zu träumen, was man selbst tun würde, wenn falls ein nennenswerter Lottogewinn mal den Weg auf das eigene Konto finden sollte. Aber wenn es dann wirklich Fakt wäre… würde man es seinen Freunden erzählen? Hätte man “Angst”, wie sie reagieren? Würde man seinen Job kündigen? Wäre es nicht tierischer Streß, sich über all die Anlagemöglichkeiten zu informieren? Würde man einen Großteil des Geldes vielleicht sogar spenden?
Bezüglich Job… die meisten sagen, sie würden trotzdem weiterarbeiten, auch wenn sie es nicht mehr nötig hätten. Das ist bei mir anders. So viel Spaß mir meine Arbeit auch macht, mein Chef hätte vermutlich schon nach wenigen Wochen meine Kündigung auf dem Tisch - jedenfalls sobald ich abschätzen kann, wie viel Geld jetzt tatsächlich mein Eigen ist und wie lange es reicht ;). Und dann würde ich campen gehen, schön in der Natur - vorausgesetzt ich gewinne im Sommer. Ich glaube, ich würde nicht mal eine Weltreise machen. Zumindest nicht im Moment. Warum weiß ich nicht einmal selbst, denn klar will ich auch mal was von der Welt sehen. Vielleicht wenn ich nicht mehr so dauergestresst bin. Ein oder mehrere Patenkinder aus der dritten Welt hätte ich gerne noch. Mit ihnen würde ich versuchen, Kontakt zu halten und sie dann (vielleicht dann doch im Zuge einer Weltreise) einmal besuchen und ihr Dorf anschauen.
Einen Bauernhof würde ich mir dann kaufen. Und Katzen aufnehmen. Eventuell sogar einen Hund, wenn er ganz lieb ist. Ich kaufe mir eine gelbe 125er Vespa, schön restauriert versteht sich. Mit Sonnenblumen drauf. Dazu passend den post-gelben-Polo. Eine Kutsche und zwei Pferde vielleicht. Ich lege mir Gemüse- und Kräuterbeete an. Gehe im Reformhaus einkaufen. Ich veranstalte LARPs und kleine Bauernhofmittelaltermärkte.
That’s it. Mehr will ich gar nicht (materiell gesehen). Braucht man dazu einen Lottogewinn? Ich fürchte schon, denn alles ist so richtig teuer. Wenn ich im Monat 300-500 € sparen kann, dann ist das schon RICHTIG viel. Von dem Gesparten muss natürlich auch ab und an was bezahlt werden… Autoreparatur, neue Möbel, Urlaub. Sagen wir also ich spare im Schnitt 400 € im Monat, wäre dann 4800 € im Jahr und sagen wir mal die Hälfte geht nochmal für “Großausgaben” drauf. Also 2400 €. Ein Bauernhof kostet mind. 200.000 € (MINDESTENS). Dann muss ich dafür (und nur dafür) schlappe 83 Jahre sparen. Jetzt einen Kredit aufnehmen, Miete sparen, Hof abzahlen ginge evtl. auch noch. Aber wer will sich heute noch einen so fetten Kredit ans Bein hängen? Wo man ja mit einem Bein auch bei guter Bildung etc. trotzdem schon in der Arbeitslosigkeit steht. Und dann ja noch das Hauptproblem, wenn man noch arbeiten muss: Einen schönen Bauernhof im Ruhrgebiet? Dann muss man schon RICHTIG viel Geld in die Hand nehmen, weil zentral wohnen UND ländlich leben ist ja purer Luxus.
Jedenfalls… gewinne ich jetzt einfach mal den Jackpot. So!
Und Fakt ist auch: Ich klage hier auf höchstem Niveau. Ich KANN wenigstens jeden Monat noch Geld sparen. Das können andere nicht. Ich könnte noch mehr sparen, wenn ich auf mein Auto verzichten würde.