Gmail abschalten?
„Im Notfall schalten wir Google Mail in Deutschland wieder ab.“
Urgs.
Ja, wie jetzt? Die Worte kommen Peter Fleischer, Google Mitarbeiter zum Schutz von Nutzerdaten, scheinbar sehr leicht über die Lippen. Schließlich könnten deutsche Nutzer immer noch auf ausländische E-Mail-Konten ausweichen.
Aber warum das Ganze? Kein Streit diesmal um Namensrechte. Auch nicht einfach aus einer Laune heraus: Die Bundesregierung ist schuld. In dem Vorhaben, dass auch E-Mail-Anbieter ihre Nutzer identifizierbar halten müssen, sieht “Don’t be evil”-Google einen schwerwiegenden Schlag gegen die Privatssphäre. Das sehe ich natürlich generell auch so, aber den Dienst dann einfach abzuschalten, wenn es zum Äußersten kommt, kann für mich auch nicht die Lösung sein. Schließlich gehöre ich noch zu der “echten” Gmail-Generation, die sich noch mit der entsprechenden Mail-Endung schmücken dürfen.
Sollte es nicht besser dem User überlassen sein, ob er sein Konto weiterführt? Immerhin geht man auch jetzt schon das “Risiko” ein, dass Google ziemlich viel über einen selbst weiß: Der Inhalt der Mails ist bekannt, durch die geschlossene BETA mit Einladungsfunktion, dem integrierten Google Chat, der Verknüpfung mit anderen Google Services u.ä. weiß Google immerhin schon so einiges über mich und meine Freunde. Und dieses Wissen wird vermarktet.
Mit der freien Wahl des E-Mail-Kontos, eben beispielsweise auch über einen Anbieter im Ausland, wird das Vorhaben der Regierung eh sinnfrei. Schließlich kann jeder, der weiterhin auf Anonymität besteht, dies auch in der freien Internet-Community geltend machen.
Also bitte, lieber Herr Fleischer, seien Sie kein Metzger und lassen Sie mir meinen schönen Gmail Account!
Heiko sagt,
26. Juni 2007 @ 17:36 Uhr
Tja - ist halt ein Unterschied, ob Google Zugriff auf Deine Daten hat oder ein tausende Mann starker Apparat aus Beamten der Stasi 2.0, BKA, BND, Zoll und vielleicht auch noch der IFPI (mon lobbyiert ja schon fleißig).
Tatsache ist, dass Google damit die Kontrolle über die Daten aus der Hand geben würde - ein Ausbruch von persönlichen Daten - für Google der absolute Vertrauens-GAU - ist damit nicht mehr nur Google anlastbar, sondern kann jedem passieren, der Zugriff drauf hat.
Nicht zu vergessen, dass das BKA gelegentlich die Ermittlungsarbeit an private Unternehmen ausgelagert hat (z.B. die GVU) - und wie sorgfältig die dann mit den Daten umgehen, das weiß keiner.
Tina sagt,
26. Juni 2007 @ 19:47 Uhr
Das ist korrekt. Und das sehe ich ja auch so. Nur ich denke halt, dass es immer noch dem Nutzer selbst überlassen sein sollte, ob er dieses Risiko eingeht oder nicht. Gut, jetzt lässt sich natürlich über die Intelligenz eines Users streiten, über seine Fähigkeit, sich alle relevanten Informationen selbst zu besorgen natürlich sowieso. Wir alle wissen ja, dass es meist schon zu viel verlangt ist, dass man sich aufmerksam AGBs oder Nutzungsbedingungen aufmerksam durchliest.
Aber es wird weiterhin deutsche Anbieter von E-Mail-Adressen geben. Und ob die Nutzer da dann informiert werden (oder sich informieren lassen), bleibt auch fraglich. Mich stört halt Fleischers Einstellung nach dem Motto: “Deutschland will nicht mehr mit uns spielen, also nehmen wir ihnen das Spielzeug weg.”
Wir sollten weiterhin hoffen, dass es eben nicht zum Äußersten kommt und die ganze Geschichte fallen gelassen wird…
Heiko sagt,
26. Juni 2007 @ 19:59 Uhr
Recht so - ich würde insbesondere hoffen, dass Herrn Schäuble und seinen großen Brüdern etwas Einhalt geboten wird.